"Man schreibe sich schon jetzt den Namen dieses talentvollen Musikers zu denen, die einen guten Klang in der Folge zu bekommen verheißen." Mit diesem Lob rezensiert Robert Schumann im April des Jahres 1843 den Liederzyklus op.1 von Theodor Kirchner. Der am 10. Dezember 1823 in Neukirchen bei Chemnitz geborene Fürchtegott Theodor Kirchner, Sohn eines Kirchschullehrers und Organisten, verbrachte seine Jugend, vom Vater früh musikalisch betreut und gefördert, im heute zu Chemnitz gehörenden Wittgensdorf. Schon 1831 spielt der 8jährige Theodor dem berühmten Dresdener Hoforganisten Johann Gottlob Schneider vor und findet Anerkennung. Schließlich reisen Vater und Sohn 1837 mit ersten Kompositionsversuchen des hochtalentierten Knaben zu Robert Schumann nach Leipzig und ein Jahr später konsultieren sie den Gewandhauskapellmeister Felix Mendelssohn Bartholdy sowie den Thomaskantor Christian Theodor Weinlig. Übereinstimmend ihr Rat, die Musik zu Theodors Lebensberuf zu machen. Noch im selben Jahr zieht der 15jährige nach Leipzig und beginnt ein gründliches Studium in Komposition, Orgel und Klavier bei den anerkanntesten Professoren. Häufig ist er mit dem noch unverheirateten Robert Schumann zusammen und es entsteht eine lebenslange Freundschaft.
Mit mehr als 900 Klavierminiaturen verwaltet Kirchner, selbst ein hervorragender Pianist, das Erbe Schumanns, erweitert es harmonisch und modulatorisch. Die gleiche Haltung findet man auch in seinen zahlreichen Liedern. Robert Franz meinte, Kirchner komponiere "Schumannscher als Schumann", Zeitgenossen schätzten sein Schumannspiel im Ausdruck und Verständnis höher als das Claras.
Das Streichquartett op. 20 ist, neben einem Klavierquartett op. 84, ein in jeder Weise aus dem Gesamtschaffen herausragendes Werk und zugleich einer seiner wenigen Beiträge zur Kammermusik. Mit Recht darf es als die größte und bedeutendste Komposition Kirchners bezeichnet werden.
Robert Schumann - Streichquartett op 41 Nr. 2: Die Quartette op. 41 Nr. 1 und 2 sind in Ausdruck und Gestaltung sehr unterschiedlich und kontrastreich angelegt, während das dritte Quartett ausgeglichen im Sinne einer Synthese wirkt. Als Schumanns stilistisches Vorbild kann der "mittlere" Beethoven der Rasumowsky-Quartette gelten, doch finden sich natürlich keine unmittelbaren Anklänge oder gar Entlehnungen.
(Auszug: Dr. Gerd Neuhaus 1996)
Leseprobe aus dem CD-Booklet
Die Quartette op. 41 Nr. 1 und 2 sind in Ausdruck und Gestaltung sehr unterschiedlich und kontrastreich angelegt, während das dritte Quartett ausgeglichen im Sinne einer Synthese wirkt. Als Schumanns stilistisches Vorbild kann der "mittlere" Beethoven der Rasumowsky-Quartette gelten, doch finden sich natürlich keine unmittelbaren Anklänge oder gar Entlehnungen.
Unmittelbar mit dem "sommerlichen" heiteren Hauptthema hebt das zweite Quartett an. Stärker noch als im Schwesterwerk setzt die Verarbeitung des thematischen Materials schon in der Exposition ein, so dass eine imitierende Variante des Hauptthemas das Seitenthema vertritt und erst im Schlussabschnitt ein neuer Gedanke einsetzt, den sich die relativ knappe Durchführung sogleich zueigen macht. Geistvoll und lebhaft verläuft dieser Satz, während die ausgedehnte Variationenfolge des in As-Dur stehenden Andante die bereits in Schumanns Klaviermusik anzutreffenden, auch für diese Quartette charakteristischen metrischen Verschleierungen in reichem Maße enthält. Diese begegnen uns verstärkt im anschließenden Scherzo, dessen Trio ein bei Schumann seltenes kapriziöses Element eigen ist. ...
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